Tipps zu Hörsysteme

Tipps, wie Sie zum richtigen Hörsystem kommen
1. Seien Sie ehrlich!
Wenn Sie den Verdacht haben, dass mit Ihrem Gehör etwas nicht stimmt, verdrängen Sie das bitte nicht. Da das Gehör unser wichtigster und emotionalster Sinn für die Kommunikation ist, betreffen ihre Hörprobleme immer auch Ihre Angehörigen. Sprechen Sie mit Ihnen darüber.
2. Fragen Sie Benutzer von Hörsystemen nach ihren Erfahrungen.
Bedenken Sie bitte dabei: Jede Hörstörung ist individuell. Selbst Menschen mit identischen Hörkurven haben ganz unterschiedliche Empfindungen. Jeder geht mit Problemen ganz anders um. Deshalb sollten Sie die Erfahrungen anderer nicht einfach übertragen, sondern die sich daraus ergebenen Fragen mit einem Fachmann besprechen.
3. Suchen Sie einen Hörspezialisten auf.
Für medizinische Fragen ist zweifelslos ein HNO-Arzt zuständig. Hausärzte können zwar auch in die Ohren schauen und einen kurzen Hörtest machen, aber sie haben nicht das Wissen der HNO-Ärzte. Bei technischen Fragen kommt der Hörgeräteakustiker dazu. Er hat das nötige Wissen über die verschiedensten Hörsysteme und kann Ihnen gut weiter helfen.
4. Nehmen Sie sich Zeit und entscheiden Sie nicht sofort.
Um Ihre individuellen Bedürfnisse zu erfassen, braucht der Hörgeräteakustiker mehr als ein paar Minuten. Wenn Sie sich das erste Mal mit dem Thema Hörsysteme befassen, werden Sie sehr viele neue Dinge erfahren. Bei der Kompliziertheit des Hörvorgangs, der Verschiedenartigkeit von Hörschwächen und der dadurch vorhandenen Produktfülle - es gibt an die 2000 verschiedene Hörsysteme auf dem Markt - ist das unvermeidlich. Deshalb ist es ungeeignet, gleichen einen verbindlichen Auftrag zu erteilen. Ein seriöser Berater wird Sie auch nicht dazu drängen. Lassen Sie sich zur Probe ein Hörgerät vorführen, damit Sie erleben, wie es ist, wieder besser zu hören und zu verstehen.
5. Gut hörende Angehörige können eine Stütze sein.
Es ist vorteilhaft, einen gut hörenden Angehörigen (einen Lebenspartner/in, einen Freund oder Freundin oder erwachsene Kinder) mit zu dem Beratungsgespräch zu bitten. Vier Ohren hören mehr und zwei Köpfe behalten mehr als einer. Angehörige können manche Probleme auch realistischer einschätzen und Ihnen deshalb einen Rat geben.
6. Haben Sie wirklichkeitsnahe Ziele.
Moderne Hörsysteme sind großartig, sind aber keine neuen Ohren. Wer zum Beispiel mit einer hochgradigen Schwerhörigkeit erwartet, in einer lauten Umgebung seinen Gesprächspartner gut verstehen zu können, verbaut sich von vornherein den Erfolg. Denn das ist selbst für einen Normalhörenden schwierig.
7. Erarbeiten Sie kleine Ziele.
Legen Sie gemeinsam mit Ihrem Akustiker (und Ihren Angehörigen) realistische Ziele für das Hören mit Hörsystem fest. Diese sollten individuell und ganz konkret formuliert werden. Gehen sie es schrittweise an. Zum Beispiel: "Ich will mit dem Hörsystem den Fernsehton bei der gleichen Lautstärke wie mein Lebenspartner verstehen".
8. Haben Sie Geduld.
Wahrscheinlich ist dem aktuellen Zustand ihres Gehörs eine längere Zeitspanne des immer schwächer werdenden Gehörs vorausgegangen. In dieser Zeit haben Sie nicht mehr umfassend gehört und deshalb teilweise das Hören verlernt. Je länger, umso schlimmer. Das bessere Hören mit dem neuen Klag muss wieder gelernt werden.
9. Hören und Verstehen ist nicht das Gleiche.
Viele Hörstörungen beeinträchtigen das Hören (steht hier landläufig für die Lautstärkewahrnehmung) weniger als das Verstehen von Sprache. Fortschrittliche Hörgeräte können Ihnen wirksam helfen, indem sie die Sprache hervorheben und andere Geräusche weniger verstärken. Da aber das Verstehen eine geistige Leistung ist, die das richtige Hören als Grundlage hat, braucht auch das Zeit. Zusätzlich zur klanglichen Akzeptanz muss ihr Gehirn erst wieder "trainieren", um die Sprache aus Alltagsgeräuschen "herausfiltern" zu können. Regelmäßiges Nutzen des Hörsystems bringt den Erfolg. Aus dem oben Gesagten folgt, dass das beste Hörsystem, das nur am Wochenende genutzt wird - wenn Besuch kommt - wenig Nutzen bringen kann, weil es immer auf ein untrainiertes Gehör trifft. Hörsysteme sollten täglich mehrere Stunden benutzt werden. Hörforscher raten zu mindestens acht Stunden täglich.
10. Wichtig ist die Kompetenz, Erreichbarkeit und das Vertrauen in die langfristige Leistungsbereitschaft mit den Hörgeräteakustiker.
Hörsystemnutzer brauchen die Unterstützung des Hörgeräteakustikers, der eine mehr und der andere weniger. Da das Gehör aber nicht konstant bleibt und Hörsysteme kleine, empfindliche Geräte sind, werden Sie eine regelmäßige intensive Beziehung zu Ihrem Hörgeräteakustiker entwickeln. Das sollten Sie bei der Auswahl des Hörgeräteakustikers bedenken. Da spielt der Preis für das angebotene Hörsystem langfristig die geringste Rolle.
11. Die Qualität und die richtige Auswahl sind besonders wichtig.
Hörsysteme sind langlebige, lebensnotwendige Geräte. Vor allem beim ersten Mal ist die Unsicherheit groß. Hier sind Sie gut beraten, wenn Sie dem einmal gewählten Hörakustiker vertrauen. Er wird Sie sicher gut beraten, denn er ist verpflichtet, sie nach dem Kauf jahrelang zu betreuen. Da ist es auch für ihn wichtig, dass er Ihnen das Richtige empfohlen hat.
12. Bei Hörsystemen stehen Preis und Leistung im Zusammenhang.
Die Korrektur einer komplizierten Hörstörung ist aufwendig und geht über eine einfache Verstärkung des Schalls weit hinaus. Die modernen Spitzengeräte ähneln eher einem Tonstudio im Miniformat als einem Verstärker. Die Geräte werden bei ganztägiger Nutzung (insbesondere durch Schweiß, Schmutz, Ohrenschmalz, Wetter und so weiter) wesentlich intensiver beansprucht als viele andere Gebrauchsgegenstände. Dementsprechend aufwendig ist die Forschung und Entwicklung sowohl für die Hör- und Verstehqualität als auch die Zuverlässigkeit. Aber auch die Dienstleistungen beim Akustiker über die geplante Gebrauchsdauer sind sowohl zeitaufwendig als auch ziemlich speziell. Erfahrene Hörgerätebenutzer wissen deshalb auch, warum gute Hörsysteme und umfangreiche Dienstleistungen den Preis haben, den sie nun mal haben. Sicher gibt es immer welche, die das Gegenteil behaupten. Da sollten Sie sich aber immer fragen, welche Interessen hinter solchen Aussagen stehen.